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ARR-Fachtagung 2010

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Schöneich traf Heuschmann

25 Jahre Zentrum für anatomisch richtiges Reiten ARR® und Schiefen-Therapie®, 75 Jahre Klaus Schöneich: Die Familie Rachen-Schöneich hatte Bedeutendes zu feiern. Ihrer Einladung zu einem hochinteressanten zweitägigen Fachseminar folgten viele Interessierte aus Deutschland, Dänemark und der Schweiz. In konzentrierter aber entspannter Atmosphäre erklärten Gabriele Rachen-Schöneich, Tierärztin Tina Wassing, Hufschmied Gerd Lamberty und Dr. Gerd Heuschmann die Problematik der natürlichen Schiefe im Pferd.

Die natürliche Schiefe und Vorderlastigkeit des Pferdes stand an zwei Tagen im Zentrum des Geschehens. Das gesamte ARR-Expertenteam und der engagierte Rollkur-Gegner Dr. Gerd Heuschmann lebten vor, dass diese Thematik nur jenen Menschen «trocken» oder uninteressant erscheinen mag, die sich nicht damit auseinander setzen. In klaren Worten und präzisen Darstellungen erklärten die Fachleute, wie der Körperbau des Pferdes seine Biomechanik bedingt.

Als Fluchttier und weidender Wanderer ist das Pferd in aller Konsequenz auf die blitzschnelle Fluchtreaktion ausgelegt. Daran ändert die moderne Pferdezucht nichts. Im Gegenteil verstärkt die Zucht von hoch veranlagten «Bewegungskünstlern» die körperliche Problematik, die sich aus den natürlichen Gegebenheiten ergibt.

Klaus Schöneich, Gabriele Rachen-Schöneich und Gerd Heuschmann waren sich einig: Auch das heutige, hochathletische Sportpferd ist vorderlastig und schief. Wird diese Schiefe und Vorderlastigkeit nicht korrigiert, bevor das Pferd geritten wird, können gesundheitliche Schäden entstehen. Ein schiefes Pferd kann sich nicht auf die Hinterhand setzen, der Rücken schwingt nach unten, das Pferd ist nicht tragfähig.

«Die FN beziffert das Durchschnittsalter von Deutschlands Pferden mit sieben Jahren», führte Tierärztin Tina Wassing aus, «der Grund für dieses tiefe Alter liegt mit Sicherheit nicht an den Pferden.» Immer jüngere Pferde leiden nach Aussagen der Tierärztin an chronischen Bewegungsproblemen: «Wir haben heute sieben- und achtjährige Pferde mit chronischen Hufrollenentzündungen.»

Rund 95 Prozent aller gesundheitlichen Bewegungsprobleme heutiger Reitpferde führen die Fachleute vom «Zentrum für anatomisch richtiges Reiten und Schiefen-Therapie und -Korrektur» auf die natürliche Schiefe des Pferdes zurück. Tina Wassing nannte als weitere Beispiele Kissing Spines, Entzündungen und Veränderungen im Kreuzdarmbeinbereich sowie Probleme mit überdehnten Kniebändern.

Erst an die Longe, dann unter den Sattel

Damit Pferde ihr Potenzial voll ausschöpfen und den Reiter tragen können, ohne gesundheitliche Schäden zu erleiden, fordern die ARR-Fachleute die zweistufige Ausbildung von Reitpferden: Ehe das Pferd geritten wird, lernt es an der Longe – ohne Hilfszügel –, sich zu biegen und zu dehnen. Es verlagert sein Hauptgewicht zunehmend von dem stärker belasteten Vorderbein diagonal auf das Hinterbein der anderen Körperseite, die Schulter wird leicht, das Vorderbein kann weit vorgreifen und das gleichseitige Hinterbein unter den Schwerpunkt treten. «Wir setzen das Pferd auf das äussere Standbein, damit das Spielbein frei wird», fasste Gabriele Rachen-Schöneich diesen Vorgang der diagonalen Verschiebung des Schwerpunktes im Pferdekörper nach hinten zusammen. Das Pferd richtet sich auf und bewegt sich gerade, der Rücken schwingt elastisch nach oben.

Ein solchermassen gesund gehendes Pferd erfüllt die Forderung nach Durchlässigkeit und Losgelassenheit. Der 16-jährige gekörte PRE-Hengst Ubio, der unter Elizabeth Eversfield im internationalen Dressursport erfolgreich war, zeigte dies in einer Reitvorführung. Ubio hatte vor Jahren unter Panikanfällen gelitten, für welche die avisierten Tierärzte keine Erklärung fanden. Erst die Schiefen-Therapie im Zentrum für anatomisch richtiges Reiten ARR® brachte den Hengst buchstäblich auf die Beine und in sein körperliches und seelisches Gleichgewicht.

Sattler und Hufschmied müssen mittun

Schwingt der Pferderücken nach oben, braucht das Pferd einen Sattel, der diese Bewegung und Elastizität nicht behindert. Sattler Christoph Hubertus zeigte den Seminarteilnehmern, wie ein Sattel nach Ansicht des Zentrums für ARR® der Muskulatur im Widerristbereich Raum geben soll.

Ebenso abhängig ist das Pferd von einer korrekten Hufbalance. Ob beschlagen oder barhuf, die Hufe müssen so gestellt werden, dass sie eine optimale Bewegung ermöglichen. Denn alles, was «unten» nicht in Balance ist, wird «oben» in der Muskulatur festgehalten. Meisterschmied Gerd Lamberty vermittelte dies in Wort, Bild und am Pferd.

Abgerundet wurde der Anlass mit einer kleinen Feier. In familiärem Kreis erhoben alle ihr Glas und stiessen an auf 75 Jahre Klaus Schöneich, 25 Jahre Zentrum für ARR und eine lange Zukunft.

Wassing

Ubio

Gerd Lamberty

Hund



Anstossen Heusch