Pferd : Hilton VII
Ein Pferd auf dem Weg zur Losgelassenheit – Stufe 2
Nach zwei Monaten Training unter dem Sattel, begleitet von regelmäßigen Longeneinheiten, trafen wir Hilton Ende Januar in Topform an: Sein athletischer Körper und seine selbstbewusste Ausstrahlung waren beeindruckend.
Unter dem Reiter zeigte der in seiner Grundausbildung „sauer“ gerittene Dressurwallach erstmals wieder Schwung und Losgelassenheit. Seine Durchlässigkeit machte ihn für uns zierliche Frauen ganz ohne Kraft reitbar. Endlich konnten wir mit ihm frei von Druck, ohne Gerte und Sporen arbeiten. Was für ein Gefühl!
In den Reitstunden erlernten wir unter Anleitung von Klaus Schöneich, die Schulter des Pferdes so anzuheben, dass wir die Hinterhand aktivieren konnten, wodurch Hilton mit spielerischer Leichtigkeit Takt, Schwung und Losgelassenheit entwickelte. Um mit ihm den Wechsel von Stand- und Spielbein zu trainieren, mussten (durften!) wir uns vom starren Abreiten der Hufschlagfiguren lösen. Nicht die Bahnfigur stand im Vordergrund des Trainings, sondern das Pferd bzw. dessen Gymnastisierung.
Wie wichtig es war, dass Klaus Schöneich in nur sechs Tagen mit aller Strenge und hohen Erwartungen mit uns verfuhr, bekamen wir eine Woche später zu spüren: Zurück in der Schweiz und wieder auf uns alleine gestellt, stießen das sichtbare Anheben der Schultern, die „unkonventionellen“ Bahnfiguren und das motivierende Klatschen mit den Westernzügeln auf großes Unverständnis und unverhohlene Abwehr. Der psychische Druck, der auf uns ausgeübt wurde, übertrug sich mit sofortiger Wirkung auf Hilton, der wieder in sein altes (Nicht-)Bewegungsmuster verfiel und sich dem Reiter verschloss.
Seit zwei Wochen sind wir jetzt in einem anderen Stall zu Hause, mit offenen und toleranten Pferdemenschen. Das neue Umfeld hat sich vom ersten Tag an positiv auf Hilton ausgewirkt: Er bewegt sich wieder mit Losgelassenheit und Freude. Wir freuen uns, mit ihm den leichten Weg des ARR noch viele Jahre weiterzugehen.



